Tief verbunden

Sepp Schreier ist Bauer der ersten Naturkäserei-Stunde. Dank der Genossenschaft kann heute auch Sepp Junior auf dem Hof mitarbeiten – und Bounty, Gurke und Salami verwöhnen.

Am Fuße der Neureuth, im Gmunder Ortsteil Gasse, entfaltet sich die ganze Pracht bayerischer Bilderbuchidylle: schmucke Höfe, sattgrüne Wiesen und Kühe, eine schöner als die andere. Entspannt rupfen sie am Gras und genießen ihren Panoramablick auf den Tegernsee. Während es auf der Weide ruhig und gemächlich zugeht, wartet das unterhaltsame Kontrastprogramm dann im Stall. Auf dem Hof der Familie Schreier wird nämlich gern und ausgiebig gelacht.

In Sachen Humor und Frohnatur schenken sie sich nichts, der Sepp und die Gerti und ihr 29-jähriger Sohn, der Seppi. Und eine gehörige Portion Liebe ist auf dem Hof der Schreiers auch im Spiel – nicht nur zwischenmenschlich. Von den tapsigen Katzenbabys bis zur besonders schönen Kuhdame Pinzä hat jedes Tier, jeder Baum und jede Biene sein Platzerl in den Schreier Herzen.

Jede Katze und jede Kuh, jeder Baum und jede Biene haben ihr Platzerl in den Schreier Herzen.

Wobei die Pinzä schon eine besondere Rolle einnimmt unter den aktuell 45 Rindern. Sie ist die Älteste, geboren am 06. Mai 2006. 11 Kälble hat sie auf die Welt gebracht. In vielen Betrieben, erzählt Sepp Senior, „muss eine Kuh oft nach zwei Kälbern weichen.“ Einem Bauer aber, der auf die Lebensqualität seiner Kuh achtet, dem wird sie über die Jahre immer mehr Freude und mehr Milch bescheren. „Daran kann man einen guten Betrieb erkennen“, erklärt Sepp und Seppi ergänzt, dass man dann als Bauer in den Genuss alter Kuh-Damen kommt, „die wissen, wo’s lang geht.“

Bei den älteren Kühen sind sich die Schreiers dann auch einig, aber sonst hat schon jeder seine besonderen Favoriten. Und besonders sind auch die Namen – gerne auch besonders kulinarisch: Da wären Popcorn und Praline, Salami und Beefy, Hanuta und Gurke. Und Balisto, die Tochter von Bounty, hat eine Bueno auf die Welt gebracht. Man wundert sich über nichts mehr bei den Schreiers. „Wir haben mal einen Stier behalten und ihn Nullinger getauft“, erzählt Gerti. „Und der hat sich dann später tatsächlich als Null herausgestellt. Deshalb gehen wir jetzt nur noch positiv an die Namensgebung ran.“ Gute Laune ist im Stall geradezu Pflicht, „weil sich das auf die Viecher überträgt“ – das fällt der Familie aber nicht wirklich schwer.
Die Optionen für einen Bauern heute: „Wachsen, weichen oder spezialisieren.“

Wobei das Leben als Bauer doch alles andere als ein Ponyhof ist. Sepp war bei den ersten Schritten der Naturkäserei dabei. Sein Sohn machte damals eine Maurerlehre – eine Hofübernahme stand nicht zur Debatte. „Ohne die Naturkäserei hätten wir früher oder später aufhören müssen.“ Seppi zählt auf, was man heutzutage als Bauer für Optionen hat: „Wachsen, weichen oder spezialisieren.“ Die Schreiers können dank der Heumilch-Spezialisierung überleben, auch wenn beide Männer noch im Nebenerwerb tätig sind. 13 Milchviehbetriebe waren es einst in der Straße, die sich Gasse nennt und so sensationell schön oberhalb vom Tegernsee liegt. Heute sind es noch Drei. Das bayerische Bilderbuchland – es bröckelt.

Warum Seppi weitermacht, obwohl die Arbeit so wenig abwirft, obwohl gerade die kleinen Betriebe von großen Strukturen bedroht werden? „Mei“, sagt er und lächelt, „ich häng halt hübsch dran.“ Es wird kurz still, dann meint Gerti mit viel Emotion in den Augen: „Die Arbeit, die gibt dir was. Wenn sie dich anschauen, wenn sie zu dir herkommen oder wenn ein Kalb geboren wird.“ Eine Aushilfe meinte einmal, dass er noch nie so ausgeglichene Rinder erlebt hätte wie bei den Schreiers. „So ruhig und so brav“, erzählt Gerti und schon muss sie wieder schallend lachen: „Je mehr Spaß wir haben desto entspannter das Vieh.“

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